Wie Strukturen wuchsen und Ideen Form annahmen
- info080257
- vor 22 Stunden
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Ein Rückblick aus Sicht der Leitung ambulante Leistungen und der Meldestelle
Wenn ich auf die vergangenen Jahre im Haus für Kinder zurückblicke, wird mir bewusst, wie viel sich in dieser Zeit verändert und entwickelt hat. Es war eine Phase des Aufbaus, des Klärens und des Lernens – auf organisatorischer, fachlicher und struktureller Ebene. Ein entscheidender Meilenstein war, als meine Schwester die Gesamtleitung übernahm und wir den Leistungsvertrag mit dem KJA abschliessen konnten. Damit wurde es erstmals möglich, den Grossteil der Leistungen über das KJA zu finanzieren – ein wichtiger Schritt in Richtung Stabilität und Professionalisierung. Die Vorarbeiten dazu waren intensiv und anspruchsvoll, haben sich aber gelohnt.
Der Aufbau des ambulanten Bereichs
Mein Hauptfokus lag auf dem Aufbau des ambulanten Bereichs mit sozialpädagogischer Familienbegleitung (SPF) und ergänzenden Supportleistungen. Anfangs bestand die Arbeit vor allem aus Konzept- und Prozessentwicklung: Leistungsbeschreibungen, Abläufe, Merkblätter – alles sollte sorgfältig durchdacht werden, bevor wir starten konnten.
Im Juni 2023 war es so weit: Der erste SPF-Fall kam rein. Ich erinnere mich noch gut an die Mischung aus grosser Freude und gespannter Erwartung – endlich ging es los, jetzt zeigte sich, ob die vielen Stunden Denkarbeit in der Praxis tragen würden. Natürlich war der Start nicht ohne Herausforderungen: Die Komplexität des Falls und das Fehlen von Vergleichsfällen forderten uns heraus. Immer wieder mussten wir klären, reflektieren und justieren. Doch genau darin lag das Lernfeld – dranbleiben, aushalten, gemeinsam Lösungen finden. Die systemische Haltung half uns, das Ganze im Blick zu behalten, Wechselwirkungen zu verstehen und Vertrauen in Prozesse zu haben.
Besonders wertvoll waren für mich die regelmäßigen Austausche mit dem ambulanten Team. Sie waren fachlich spannend, lehrreich und anregend – oft zu anspruchsvollen Themen, aber gerade deshalb bereichernd. Der gemeinsame Blick auf komplexe Themen und das gegenseitige Lernen waren persönliche Highlights der Arbeit und trugen wesentlich zur Weiterentwicklung des Bereichs bei.
Ich bin stolz – auf das ambulante Team, die Strukturen und die fachliche Entwicklung, die wir Schritt für Schritt vorangebracht haben.
Aufbau und Etablierung der Meldestelle
Parallel dazu durfte ich die Meldestelle aufbauen, eine Stabsfunktion, die grenzüberschreitende Vorkommnisse im Betreuungsalltag sammelt, triagiert und die Nachsorge sicherstellt. Mein Auftrag war klar: Konzept erarbeiten, Strukturen schaffen, Mitarbeitende schulen, beraten und begleiten. Besonders wertvoll war die Entscheidung, die Meldestelle im Tandem zu führen. Diese geteilte Verantwortung brachte Entlastung, Austausch und eine hohe Qualität in den Entscheidungsprozessen. Herausfordernd war es, das Thema im Team zu verankern, nicht als Kontrollinstrument, sondern als Ressource. Ein Ort, wo Belastendes Platz haben darf und persönliche Grenzen ernst genommen werden. Mit der Zeit wuchs das Vertrauen, Gespräche wurden offener, und die Sensibilisierung nahm zu. Diese Entwicklung mitzuerleben, war für mich besonders bedeutungsvoll.
Rückblick
Die letzten Jahre waren geprägt von Aufbauarbeit, Lernprozessen und vielen Begegnungen, die Spuren hinterlassen haben. Ich durfte Strukturen mitgestalten, Neues aufbauen und Prozesse wachsen sehen. Besonders dankbar bin ich für das Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde, und für die Zusammenarbeit mit all den Menschen, die sich mit Engagement und Herz für das Wohl der Kinder und Familien einsetzen.
Nun ist für mich der Moment gekommen, das Haus für Kinder zu verlassen und mich neuen Herausforderungen zuzuwenden. Alles, was ich hier mitaufbauen und begleiten durfte – die Strukturen, die Prozesse, die Menschen und die Ideen dahinter – bedeuten mir nach wie vor sehr viel und liegen mir am Herzen. Ich nehme viele wertvolle Erinnerungen mit und gehe im Wissen, dass hier etwas Lebendiges weiterwächst – Tag für Tag, getragen von all den Menschen, die das Haus für Kinder ausmachen.
Salomé Lindt im Dezember 2025




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